Was macht Sport aus? Körperliche und technische Fähigkeiten, Fitness und mentale Stärke sowie Spielintelligenz. Alles notwendig, keine Frage. Aber was macht großen Sport wirklich aus? Dazu ist mehr notwendig. Ohne die wirklichen Essenzen kann Sport schnell langweilig werden. Sport braucht Drama und Tragödien. Was wäre beispielsweise der Fußball ohne Fehl- oder Lattenschüsse, Fehlentscheidungen des Schiedsrichters, tragisches Dahinsinken gefoulter Spieler, falsche Abseitsentscheidungen und weitere Ungerechtigkeiten und – ja: auch Niederlagen. Ok, jetzt ist Boule eine etwas entspanntere Sportart, aber dennoch: Das Glück muss erkämpft, die Trauer nach Niederlagen muss erlitten werden. Kurz: Sport braucht intensive Emotionen, die auch nach außen für den Zuschauer sichtbar werden.
Wer diese Emotionen sucht, sah sich am Dienstag letzter Woche auf unserem Bouleplatz enttäuscht. Zu dominant war unsere Mannschaft Eins, zu klar von Anfang an die Ergebnisse, zu beschränkt der Gegner in seinen Möglichkeiten. Doch halt! Eine Partie bot Spannung und Dramatik. Im Triplette war es. Das gegnerische Team (Dieter, Wolfgang und Detlef) aus Stutensee führt schon 11 zu 3 gegen unser Team mit Holger, Christine und Thorsten. Trotz guter Legeleistungen ließ sich Letzterer gegen Hans-Jörg auswechseln. Und von da an begann eine dramatische Aufholjagd. Punkt für Punkt für unser Team, die Nervosität des Gegners wuchs spürbar. Und auf einmal stand es 12 zu 11 für unser Team. Unglaublich, diese Nervenstärke! Aber dann ein entscheidender Schuss von einem der Gegner, der sich im gesamten Spielverlauf ums Schießen – man kann sagen – gedrückt hat, und unser Team musste sich doch noch geschlagen geben. Dies war allerdings die einzige Niederlage des Abends und wieder konnte Mannschaft Eins einen Spieltag für sich entscheiden und ihre Erfolgsserie weiter ausbauen. Glückwunsch! Aber dringender Apell an die Mannschaft: macht bitte ein bisschen mehr Dramatik.
Am Folgetag war die dritte Mannschaft der BSG Stutensee bei unserer Mannschaft Zwei zu Gast. Der Autor dieser Zeilen hatte die obigen Kapitel vor dem eigenen Spiel am Folgetag geschrieben und er konnte es nicht wissen. Wieder ging es also gegen Stutensee, diesmal die dritte Mannschaft der ‚Wilden 13‘. Mannschaft Zwei – bisher eher die Helden tragischer Niederlagen – machten dort weiter wo es bei Mannschaft Eins in die Langeweile abglitt. Sie gewannen das Spiel glatt mit 5 zu 0. Ok, das Triplette mit Gudrun, Edeltraud und Franz startete mit einer 6-er Aufnahme gegen sich, und man hätte vermuten können jetzt wird’s eng, aber die drei blieben cool und ließen keine weiteren Punkte zu. Auch im Doublette von Gudrun und Franz gab es ein 6-er Paket gegen die beiden, danach gab es aber für den Gegner nur noch zwei weitere Punkte. Fehlendes Drama auch bei Doublette 2 mit Isabel und Stephan, die dem Gegner nur einen Punkt gönnten. Allein Margret und Michael machten es richtig spannend und wollten dem Publikum etwas bieten. Lagen sie doch mit 8 zu 10 zurück. Und dann löste sich der Knoten: Margret platzierte ihre Kugel, der Gegner patzte, bekam keine Kugel mehr besser hin und die beiden platzierten weitere vier Kugeln und entschieden damit das Spiel für sich; Erleichterung pur. Nun will ich aber hoffen, dass Mannschaft Zwei bei seiner bisherigen Linie bleibt und uns weiterhin mit dramatischen Niederlagen und Tragödien dienen wird. Wir werden berichten.
Text: Stephan
Bild: Hans-Jörg
