Boule

Dreizehn Kilometer Luftlinie

28. Juli 2025 | Von Stephan

Das ist die Entfernung, die zwischen den Bouleplätzen des TUS Bietigheim und den Bouleplätzen des Petanque Club de Beinheim liegt. Nimmt man das Fahrrad und fährt um ein paar Ecken und − wesentliches Moment des Weges − überquert den europäischen Fluss, den Rhein mittels einer Fähre, die an einem Seil hängend die Kraft der Strömung zur Querung nutzt, sind es unerhebliche drei Kilometer mehr um nach Beinheim zu gelangen. Unser umtriebiger Mitspieler Franz hatte sich vor geraumer Zeit mit seiner Frau Edeltraud im rheinnahen Elsass herumgetrieben. Die Boulekugeln immer dabei, führte der Weg der beiden an der Bouleanlage in Beinheim vorbei und, wie der Zufall es will, kam Franz mit einem dortigen Spieler ins Gespräch und natürlich ins Spiel. Dieser, ein deutscher Exilant namens Thomas, gab ihm den entscheidenden Hinweis auf ein kommendes Bouleturnier. Terminiert auf den 14. Juli, den französischen Nationalfeiertag, fand dort ein Doublette-Turnier, offen für alle lizenzfreien Spieler, statt. Für alle nichtfranzösischen Leser: der französische Nationalfeiertag erinnert an den Sturm auf die Bastille, den Beginn der französischen Revolution im Jahre 1789 und an das im Folgejahr stattfindende Föderationsfest und wird mit diversen Feierlichkeiten begangen, dabei auch ein Feuerwerk am Vorabend, an dem auch – günstige Witterung vorausgesetzt – die rechtsrheinischen Anwohner zumindest akustisch teilhaben können.

Franz also, immer auf der Suche nach Gelegenheiten um Boule zu spielen, rührte im Verein die Werbetrommel für das Turnier und so machten sich am Morgen des 14. Juli acht Boulespieler aus Bietigheim mit dem Fahrrad auf den Weg. Dort angekommen, waren wir erstmal erstaunt über die Größe des Geländes und die Anzahl der Boulisten. Geschätzt 60 Mannschaften wollten an diesem Turnier teilnehmen und die Plätze, vor allem auch die an der Bar, füllten sich rasch. Die Stimmung war schon vor den Spielen famos und dies sollte auch bis zum Ende nicht nachlassen. Anfänglich kamen wir uns etwas verloren vor, suchten die uns zugelosten Spielpartner per Zuruf, hatten dabei aber immer die Unterstützung von Thomas, der uns zu jedem Namen ein Gesicht, eine Bluse oder ein Trikot zeigen konnte. Die Plätze waren numeriert und wurden den Partien zugewiesen. Aber wir waren in Frankreich, das nahm niemand ernst und man spielte nach Absprache mit dem Gegner einfach dort, wo es einem am besten gefiel.

Es waren vier Partien zu absolvieren und schon im zweiten Spiel öffneten sich die immer bedrohlicher aus Südwesten heranziehenden Wolken, Regenfluten stürzten herab und alle flüchteten sich unter die eilends herbeigeholten Partyzelte und Überdachungen. Der Regen schien die Stimmung unter den Teilnehmern noch anzustacheln. Man zog kurzerhand das Mittagessen vor, die ersten Roséflaschen wurden geöffnet, an der Bar gab‘s Amer (der Bitterlikör Picon vermischt mit Bier) und Pastis und man hatte fast den Eindruck „wenn halt wegen des Regens nicht weitergespielt werden kann, auch nicht schlimm, wir haben alle auch so unseren Spaß“. Aber dann ging es doch weiter. Übrigens war die Sprache kein Problem, wir hatten ein paar Brocken Französisch im Gepäck und vor allem hatten die etwas älteren französischen Spieler alle ihr Elsässerdeutsch noch drauf. Wir lernten viele nette Menschen kennen und hielten uns beim Spielerfolg im ausgeglichenen Mittelfeld schadlos. Einzig unser ehrgeiziges Team aus Gudrun und Andy mussten unbedingt ihre vier Spiele gewinnen, wurden dann aber auf dem Weg ins Finale im Halbfinale vom späteren Siegerpaar abgefangen. In positiver Grundstimmung und mit dem Vorsatz im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder dabei zu sein, machten wir uns auf den Heimweg, erreichten die letzte Fähre und hatten ein nachhaltiges Erlebnis mehr in unserer Timeline.

Die Bouleanlage in Beinheim

Hardtliga letztes Heimspiel gegen FV Grünwinkel

Indes, es gab keine Atempause: schon am Folgetag stand unser letztes Heimspiel in der Hardtliga an. Der FV Grünwinkel war bei uns zu Gast. Die Grünwinkler, gefühlt mittlerweile alles alte Bekannte, kamen als Spitzenreiter der Staffel Süd mit dem klar ausgegebenen Ziel auch bei uns zu gewinnen. Das gelang ihnen auch, aber es war sowas von hauchdünn zart, dass sich vor allem das Triplette aus Zolana, Karl Heinz und Stephan mächtig ärgerte. Hatten diese doch vor der letzten Aufnahme 12 zu 10 geführt, verloren dann aber etwas die Nerven und dadurch das Spiel. Eine sichere Bank waren einmal mehr Gudrun und Franz sowie Michael und Karl Heinz. Leider reichten diese zwei souverän herausgespielten Siege nicht und die Grünwinkler konnten mit einem 3 zu 2 Sieg im Gepäck heimfahren. Trotz alledem zeigte uns der Spieltag, dass wir in der Hardtliga angekommen sind und mit etwas mehr Nervenstärke und Wettkampfhärte solche engen Spiele auch gewinnen können. Lässt man die beiden Spieltage gedanklich Revue passieren, bleibt vor allem eins hängen. Und zwar die offensichtliche Bestätigung eines Klischees: auf der einen Rheinseite hedonistische Lebenslust à la Francaise, auf der anderen Rheinseite typische deutsche Ernsthaftigkeit und Schwere.

Text: Stephan, Bilder: Andrea, Hans-Jörg

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